Meditation zur Gedankenfreiheit: Abstand gewinnen

In dieser geführten Meditation üben wir, Abstand zu unseren Gedanken und Gefühlen zu finden – besonders dann, wenn sie eindringlich, unwillkürlich oder belastend erscheinen. Statt sie zu verdrängen oder zu verändern, lernen wir, sie mit einer neugierigen, kindlichen Offenheit zu beobachten. Jeder Gedanke, jedes Gefühl ist willkommen. Durch achtsames Wahrnehmen entsteht innere Weite, Gelassenheit und ein tieferes Verständnis für die Natur unseres Geistes.

Eine geführte Meditation, um die Fähigkeit zu erlangen Abstand von Gedanken und Gefühlen zu finden.

Vor allem wenn Gedanken und Gefühle als unwillkürlich und eindringend erfahren werden. Zyklisch auftauchende Gedanken und Gefühle können als belastend empfunden werden. Sie stellen Menschen mit einem ungeübten Geist immer wieder vor eine große Herausforderung.

Häufig verstärkt sich der Effekt dieser eindringenden Gedanken und Gefühle, weil das Individuum versucht diese zu unterdrücken. Es entsteht der umgekehrte Effekt.

Wichtig: Jeder Gedanken ist willkommen. Jedes Gefühl ist willkommen. Wir wollen nichts davon unterdrücken oder wegschieben. Auch nichts verändern. Wir nehmen eine beobachtende Haltung an. Sind neugierig und interessiert wie ein Kind.

Erregung und Ermüdung: Ein biologisches Modell für emotionales Erleben und Veränderung

In der psychologischen Beratung zeigt sich immer wieder: Emotionen folgen biologischen Prinzipien. Unser Erleben entsteht im Zusammenspiel von Erregung und Ermüdung der Nervenzellen – ein dynamischer Kreislauf zwischen Spannung und Entlastung. Dieses vereinfachte Modell neuronaler Funktion erklärt, warum Freude, Motivation oder Nähe abnehmen können, wenn Reize dauerhaft bestehen, und wie Achtsamkeit hilft, Balance und Lebendigkeit zurückzugewinnen.

Einführung: Das vereinfachte Prozessmodell neuronaler Funktion

Wenn Menschen in die Beratung kommen und von schwierigem Erleben wie Niedergeschlagenheit, Aggressionen, Trauer, Streitsucht, Hoffnungslosigkeit oder ähnlichem berichten, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ich ihnen ein stark reduziertes Prozessmodell der biologischen Funktion unserer Neuronen skizziere – eine vereinfachte psycho-biologische Perspektive auf emotionale Dynamik.

Dieses Modell habe ich während meines Studiums der Klinischen Psychologie und meiner Ausbildung zum Lehrer für Achtsamkeit in den Coachingstunden mit Erwachsenen entwickelt, um eine Sensibilität für die akut erlebten Situationen zu schaffen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Erleben sinnvoll einzuordnen.

Es basiert auf dem Konzept der Erregbarkeit (excitability) und Ermüdung (fatigue) der Nervenzellen. Ich kann nicht ausschließen, dass ich dieses Modell aus meiner Lektüre abgeleitet habe.


Erregung und Ermüdung – Grundprinzip biologischer Regulation

Nervenzellen, die dauerhaft erregt werden, ermüden. Die Signalübertragung wird unterbrochen – ein Schutzmechanismus, der das Gehirn und damit das gesamte Nervensystem entlastet. So bleibt das System funktionsfähig für das Wesentliche: die Regulierung des Körpers, das Einsparen von Energie und letztlich das Überleben des Organismus.

Das Gehirn verarbeitet ohnehin alle sensorischen Reize unentwegt, um die Realität des Erlebens zu formen. Ich postuliere eine parallele Reizverarbeitung ohne unwillkürliche Filterung, räume aber ein, dass das Überleben des Organismus stets die höchste Prämisse darstellt und alle anderen Funktionen ihr untergeordnet sind.


Beispiele aus dem Alltagserleben

Diese Phänomene sind uns vertraut:

  • Die Brille auf der Nase spüren wir erst, wenn sie schief sitzt.
  • Wir suchen verzweifelt nach ihr, obwohl sie auf dem Kopf liegt.
  • Kleidung wird erst wahrgenommen, wenn sie zwickt oder kratzt.
  • Sobald das Sättigungsgefühl eintritt, schmeckt das Essen weniger intensiv.
  • Die Ohren ermüden nach lauten Geräuschen, ein Parfüm wird nach kurzer Zeit kaum noch wahrgenommen.

Wenn wir durch den Wald gehen und plötzlich in den Himmel blicken, fließt das Himmelsbild beinahe davon – eine Folge neuronaler Anpassung. Ebenso verhält es sich mit sportlicher Betätigung oder Alltagsgewohnheiten: alte Reize verlieren ihre Wirkung, neue sind notwendig, um Motivation aufrechtzuerhalten.

„Mein Leben schmeckt wie ein labbriger Toast.“ – Peter Fox

Zeig (2014, p. 129) weist darauf hin, dass Musikkompositionen auf der Abfolge von konsonanten und dissonanten Harmonien beruhen – mit dem Versprechen, dass nach der Instabilität wieder eine stabile Phase folgt. Auch hier spiegelt sich das biologische Prinzip neuronaler Erregung und Ermüdung wider.

Das Yin-Yang-Symbol drückt denselben Prozess aus: das beständige Pendeln zwischen Fülle und Leere, Dunkelheit und Licht, Schwere und Leichtigkeit. Dieses Schwingen zwischen Gegensätzen findet sich in nahezu allen Naturphänomenen.


Die Herausforderung: Selbstbeobachtung und Reflexion

Ich lade Sie ein, diese Perspektive auf Ihr eigenes Leben anzuwenden:

  • In welcher Phase befinden Sie sich gerade?
  • Wo erleben Sie Ermüdung?
  • Wo zeigen sich Spannungen oder ein negatives Erleben – und wie reagieren Sie darauf?

Weitere Beispiele aus dem Leben

Bei manchen Lebensaspekten tritt die Ermüdung der Nervenzellen früher, bei anderen später ein. Wenn es ums Überleben geht, ist sofortiges Handeln notwendig. Zu viel Nahrung kann das System überlasten, der Geschmack verliert sich, bis womöglich ein Widerwille entsteht.

Die Natur hat Wege gefunden, dieser Ermüdung entgegenzuwirken. So führen unsere Augen unwillkürliche Mikrobewegungen (Sakkaden) aus, um die Reizübertragung aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise bleibt unsere Wahrnehmung dynamisch und ermöglicht Orientierung im Raum.

Auch in Beziehungen zeigt sich dieses Prinzip: Wird ein Partner nicht mehr als anregend erlebt, verblasst der Reiz. Ohne Abwechslung kann selbst eine stabile Bindung ermüden. Ähnlich verhält es sich im Berufsleben: Monotonie oder fehlende Entwicklungsmöglichkeiten führen zur Abnahme der Motivation – bis hin zum Bedürfnis nach Veränderung.


Das Modell im Überblick

Positives Erleben dauert so lange an, wie die Neuronen nicht gesättigt sind. Wird ein Reiz zu dauerhaft, tritt Ermüdung ein – der Reiz wird nicht mehr übertragen, und das Erleben kippt ins Negative.

In extremen Fällen kann dieser Mechanismus zu selbstschädigendem Verhalten führen. Menschen mit einer sogenannten Persönlichkeitsstörung verletzen sich, um sich selbst zu spüren. Erst wenn sich ein Gefühl von Scham oder Reue einstellt – eine neue, verändernde Erfahrung – kann der Kreislauf durchbrochen werden.

Auch gesellschaftliche Prozesse folgen diesem Muster: Nach Phasen von Überreizung und Stagnation entstehen Krisen, aus denen Innovation und Neubeginn hervorgehen. Wie Meister Jan Silberstorff betont, liegt im Investieren ins Verlieren die Grundlage für Wachstum.

Dieser Prozess versteht sich als Kreislauf von Reizaufnahme, Erregung, Ermüdung und Regeneration.


Das Modell im Verhältnis zu Störungsbildern

Dieses Modell kann phasenweise Verstimmtheit erklären, wie sie viele Menschen erleben. Dennoch darf man nicht übersehen, dass anhaltende Einschränkungen das gesellschaftliche und individuelle Funktionieren beeinträchtigen können.

Manche Betroffene erfahren, trotz vielfältiger Interventionen, nur begrenzte Linderung. Hier kann das Verständnis des biologischen Prinzips helfen, Selbstmitgefühl zu entwickeln – und neue Wege der Regulierung und Balance zu erproben.


Abschließende Gedanken: Vom Verständnis zur Veränderung

Das Modell der neuronalen Erregung und Ermüdung zeigt, dass Erleben dynamisch ist – niemals statisch. Indem wir die Rhythmen von Spannung und Entspannung, Antrieb und Ruhe erkennen, gewinnen wir die Möglichkeit, bewusster mit ihnen umzugehen.

So wird das Verständnis dieser biologischen Prozesse zu einem Weg der Selbstregulation, der Achtsamkeit und des Mitgefühls.