Meditation zur Gedankenfreiheit: Abstand gewinnen

In dieser geführten Meditation üben wir, Abstand zu unseren Gedanken und Gefühlen zu finden – besonders dann, wenn sie eindringlich, unwillkürlich oder belastend erscheinen. Statt sie zu verdrängen oder zu verändern, lernen wir, sie mit einer neugierigen, kindlichen Offenheit zu beobachten. Jeder Gedanke, jedes Gefühl ist willkommen. Durch achtsames Wahrnehmen entsteht innere Weite, Gelassenheit und ein tieferes Verständnis für die Natur unseres Geistes.

Eine geführte Meditation, um die Fähigkeit zu erlangen Abstand von Gedanken und Gefühlen zu finden.

Vor allem wenn Gedanken und Gefühle als unwillkürlich und eindringend erfahren werden. Zyklisch auftauchende Gedanken und Gefühle können als belastend empfunden werden. Sie stellen Menschen mit einem ungeübten Geist immer wieder vor eine große Herausforderung.

Häufig verstärkt sich der Effekt dieser eindringenden Gedanken und Gefühle, weil das Individuum versucht diese zu unterdrücken. Es entsteht der umgekehrte Effekt.

Wichtig: Jeder Gedanken ist willkommen. Jedes Gefühl ist willkommen. Wir wollen nichts davon unterdrücken oder wegschieben. Auch nichts verändern. Wir nehmen eine beobachtende Haltung an. Sind neugierig und interessiert wie ein Kind.

The art of sensing the next step

Eine Frau steht am Rand eines unbekannten Gebirges. Kein Wegweiser, keine Karte, kein Begleiter. Nur der Mut, das Vertrauen und der Wunsch, einen Ort des Friedens zu erreichen. Die Felsen prüfen ihre Kraft, die Wälder ihre Orientierung, die Tiere ihre Entschlossenheit. Schritt für Schritt lernt sie, den Wind zu lesen und den Zeichen des Lebens zu folgen. Wo sie einst eine Suchende war, wird sie schließlich eine Führende – und teilt ihre Erfahrung mit jenen, die ihren eigenen Weg ins Unbekannte wagen.

There was a time…perhaps like now….a woman had to pass an unknown region of mountains with rocky formations, forests, and animals to reach a very pleasant and comforting place. How is she to survive if she has no data available? There are certainly threats to her. However the threats are not everywhere along the way. If she had a guide who was familiar with the region she could have relied on the guide. Right? However, there is no guide. The rocks test her endurance, the forest her orientation, the animals her courage. Each terrain teaches a different skill. She has to rely on her own resources. She has to be brave and strong. She learns to read the wind, to notice the direction of the sun, to trust the small signs that life offers when no map exists. There may be times she realises that she made a wrong decision. Nevertheless, she can decide to take another route. When she follows a false path, she doesn’t curse herself — she listens to the mountain’s silence until she feels the next right step. Facing, all difficulties she may reach the place of desire finally. And at that moment… for the very moment….When she is approached by another women who wants to pass the area she mastered she realises she became a guide. She doesn’t hand her a map — she shares stories of how to listen, how to pause, how to keep faith when the trail disappears.

Die Kunst, den nächsten Schritt zu spüren

Es gab eine Zeit … vielleicht wie heute … da musste eine Frau eine unbekannte Bergregion mit Felsformationen, Wäldern und Tieren durchqueren, um einen angenehmen und tröstlichen Ort zu erreichen. Wie sollte sie überleben, wenn ihr keinerlei Informationen zur Verfügung standen? Es gab gewiss Gefahren. Doch diese lauerten nicht überall auf ihrem Weg. Hätte sie einen ortskundigen Führer gehabt, hätte sie sich auf ihn verlassen können. Oder? Doch es gab keinen Führer. Die Felsen stellten ihre Ausdauer auf die Probe, der Wald ihre Orientierung, die Tiere ihren Mut. Jedes Terrain lehrte sie eine andere Fähigkeit. Sie musste auf sich selbst vertrauen. Sie musste mutig und stark sein. Sie lernte, den Wind zu lesen, den Lauf der Sonne zu beachten und den kleinen Zeichen des Lebens zu vertrauen, wenn es keine Karte gab. Manchmal erkannte sie vielleicht, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen hatte. Doch sie konnte sich entscheiden, einen anderen Weg einzuschlagen. Wenn sie einen falschen Pfad beschritt, verfluchte sie sich nicht – sie lauschte der Stille des Berges, bis sie den nächsten richtigen Schritt spürte. Allen Schwierigkeiten trotzend, erreichte sie schließlich ihren ersehnten Ort. Und in diesem Moment … genau in diesem Augenblick … als eine andere Frau sie anspricht, die das Gebiet durchqueren möchte, das sie so gut kennt, wird ihr bewusst, dass sie zur Führerin geworden ist. Sie gibt ihr keine Karte – sie erzählt ihr Geschichten darüber, wie man zuhört, wie man innehält, wie man den Glauben bewahrt, wenn der Pfad verschwindet.

Erregung und Ermüdung: Ein biologisches Modell für emotionales Erleben und Veränderung

In der psychologischen Beratung zeigt sich immer wieder: Emotionen folgen biologischen Prinzipien. Unser Erleben entsteht im Zusammenspiel von Erregung und Ermüdung der Nervenzellen – ein dynamischer Kreislauf zwischen Spannung und Entlastung. Dieses vereinfachte Modell neuronaler Funktion erklärt, warum Freude, Motivation oder Nähe abnehmen können, wenn Reize dauerhaft bestehen, und wie Achtsamkeit hilft, Balance und Lebendigkeit zurückzugewinnen.

Einführung: Das vereinfachte Prozessmodell neuronaler Funktion

Wenn Menschen in die Beratung kommen und von schwierigem Erleben wie Niedergeschlagenheit, Aggressionen, Trauer, Streitsucht, Hoffnungslosigkeit oder ähnlichem berichten, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ich ihnen ein stark reduziertes Prozessmodell der biologischen Funktion unserer Neuronen skizziere – eine vereinfachte psycho-biologische Perspektive auf emotionale Dynamik.

Dieses Modell habe ich während meines Studiums der Klinischen Psychologie und meiner Ausbildung zum Lehrer für Achtsamkeit in den Coachingstunden mit Erwachsenen entwickelt, um eine Sensibilität für die akut erlebten Situationen zu schaffen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Erleben sinnvoll einzuordnen.

Es basiert auf dem Konzept der Erregbarkeit (excitability) und Ermüdung (fatigue) der Nervenzellen. Ich kann nicht ausschließen, dass ich dieses Modell aus meiner Lektüre abgeleitet habe.


Erregung und Ermüdung – Grundprinzip biologischer Regulation

Nervenzellen, die dauerhaft erregt werden, ermüden. Die Signalübertragung wird unterbrochen – ein Schutzmechanismus, der das Gehirn und damit das gesamte Nervensystem entlastet. So bleibt das System funktionsfähig für das Wesentliche: die Regulierung des Körpers, das Einsparen von Energie und letztlich das Überleben des Organismus.

Das Gehirn verarbeitet ohnehin alle sensorischen Reize unentwegt, um die Realität des Erlebens zu formen. Ich postuliere eine parallele Reizverarbeitung ohne unwillkürliche Filterung, räume aber ein, dass das Überleben des Organismus stets die höchste Prämisse darstellt und alle anderen Funktionen ihr untergeordnet sind.


Beispiele aus dem Alltagserleben

Diese Phänomene sind uns vertraut:

  • Die Brille auf der Nase spüren wir erst, wenn sie schief sitzt.
  • Wir suchen verzweifelt nach ihr, obwohl sie auf dem Kopf liegt.
  • Kleidung wird erst wahrgenommen, wenn sie zwickt oder kratzt.
  • Sobald das Sättigungsgefühl eintritt, schmeckt das Essen weniger intensiv.
  • Die Ohren ermüden nach lauten Geräuschen, ein Parfüm wird nach kurzer Zeit kaum noch wahrgenommen.

Wenn wir durch den Wald gehen und plötzlich in den Himmel blicken, fließt das Himmelsbild beinahe davon – eine Folge neuronaler Anpassung. Ebenso verhält es sich mit sportlicher Betätigung oder Alltagsgewohnheiten: alte Reize verlieren ihre Wirkung, neue sind notwendig, um Motivation aufrechtzuerhalten.

„Mein Leben schmeckt wie ein labbriger Toast.“ – Peter Fox

Zeig (2014, p. 129) weist darauf hin, dass Musikkompositionen auf der Abfolge von konsonanten und dissonanten Harmonien beruhen – mit dem Versprechen, dass nach der Instabilität wieder eine stabile Phase folgt. Auch hier spiegelt sich das biologische Prinzip neuronaler Erregung und Ermüdung wider.

Das Yin-Yang-Symbol drückt denselben Prozess aus: das beständige Pendeln zwischen Fülle und Leere, Dunkelheit und Licht, Schwere und Leichtigkeit. Dieses Schwingen zwischen Gegensätzen findet sich in nahezu allen Naturphänomenen.


Die Herausforderung: Selbstbeobachtung und Reflexion

Ich lade Sie ein, diese Perspektive auf Ihr eigenes Leben anzuwenden:

  • In welcher Phase befinden Sie sich gerade?
  • Wo erleben Sie Ermüdung?
  • Wo zeigen sich Spannungen oder ein negatives Erleben – und wie reagieren Sie darauf?

Weitere Beispiele aus dem Leben

Bei manchen Lebensaspekten tritt die Ermüdung der Nervenzellen früher, bei anderen später ein. Wenn es ums Überleben geht, ist sofortiges Handeln notwendig. Zu viel Nahrung kann das System überlasten, der Geschmack verliert sich, bis womöglich ein Widerwille entsteht.

Die Natur hat Wege gefunden, dieser Ermüdung entgegenzuwirken. So führen unsere Augen unwillkürliche Mikrobewegungen (Sakkaden) aus, um die Reizübertragung aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise bleibt unsere Wahrnehmung dynamisch und ermöglicht Orientierung im Raum.

Auch in Beziehungen zeigt sich dieses Prinzip: Wird ein Partner nicht mehr als anregend erlebt, verblasst der Reiz. Ohne Abwechslung kann selbst eine stabile Bindung ermüden. Ähnlich verhält es sich im Berufsleben: Monotonie oder fehlende Entwicklungsmöglichkeiten führen zur Abnahme der Motivation – bis hin zum Bedürfnis nach Veränderung.


Das Modell im Überblick

Positives Erleben dauert so lange an, wie die Neuronen nicht gesättigt sind. Wird ein Reiz zu dauerhaft, tritt Ermüdung ein – der Reiz wird nicht mehr übertragen, und das Erleben kippt ins Negative.

In extremen Fällen kann dieser Mechanismus zu selbstschädigendem Verhalten führen. Menschen mit einer sogenannten Persönlichkeitsstörung verletzen sich, um sich selbst zu spüren. Erst wenn sich ein Gefühl von Scham oder Reue einstellt – eine neue, verändernde Erfahrung – kann der Kreislauf durchbrochen werden.

Auch gesellschaftliche Prozesse folgen diesem Muster: Nach Phasen von Überreizung und Stagnation entstehen Krisen, aus denen Innovation und Neubeginn hervorgehen. Wie Meister Jan Silberstorff betont, liegt im Investieren ins Verlieren die Grundlage für Wachstum.

Dieser Prozess versteht sich als Kreislauf von Reizaufnahme, Erregung, Ermüdung und Regeneration.


Das Modell im Verhältnis zu Störungsbildern

Dieses Modell kann phasenweise Verstimmtheit erklären, wie sie viele Menschen erleben. Dennoch darf man nicht übersehen, dass anhaltende Einschränkungen das gesellschaftliche und individuelle Funktionieren beeinträchtigen können.

Manche Betroffene erfahren, trotz vielfältiger Interventionen, nur begrenzte Linderung. Hier kann das Verständnis des biologischen Prinzips helfen, Selbstmitgefühl zu entwickeln – und neue Wege der Regulierung und Balance zu erproben.


Abschließende Gedanken: Vom Verständnis zur Veränderung

Das Modell der neuronalen Erregung und Ermüdung zeigt, dass Erleben dynamisch ist – niemals statisch. Indem wir die Rhythmen von Spannung und Entspannung, Antrieb und Ruhe erkennen, gewinnen wir die Möglichkeit, bewusster mit ihnen umzugehen.

So wird das Verständnis dieser biologischen Prozesse zu einem Weg der Selbstregulation, der Achtsamkeit und des Mitgefühls.

Verbundenheit mit sich selbst

Verbinde Dich mit Dir selbst auf eine wertschätzende Weise. Eine Weise, die dir erlaubt deine menschliche Gestalt im gegenwärtigen Augenblick zu erleben, ihr dankbar und wohlwollend zu begegenen. Eine Weise, die deinen Geist und seine Möglichkeit der Weite, Freiheit und liebevollen Art für sich selbst mit einbezieht.

Verlust der Verbindung

Nur allzu schnell verlieren wir im Alltag den Bezug zu unserem Körper:

  • Wir wollen gefallen
  • müssen schnell und richtig viele Dinge erledigen
  • unterschätzen unsere Fähigkeiten
  • überschätzen unser Vermögen
  • finden uns in Situationen in denen uns andere Menschen geringschätzend begegenen
  • wir ernähren den Körper mit Stoffen, die ihm kurzfristig und langfristig schaden
  • lassen uns zu Eitelkeiten verführen
  • werden neidisch
  • reagieren gereizt
  • kümmern uns zu wenig um unseren Schlaf

Diese Auflistung kann viele weitere Punkte beinhalten. Wichtig dabei ist zu verstehen, dass wir immer mehr ein stückweit die Verbindung zu uns selbst aufgeben.

Festigkeit und Enge als Ausdruck der Unverbundenheit

Schnell entsteht der Eindruck von Starrheit, eine Art Festigkeit oder das Gefühl von Enge, das sich als Spannung im Körper ausdrückt. Sie kann überall wahrgenommen werden, wenn wir unserem Körper mit Gewahrsein begegnen. Da wir Menschen unterschiedlich sind, reagiert auch jeder Körper auf seine eigene Weise. So können die Spannungszentren in den Händen, Füßen, den Augen, der Kopfhaut, den Schultern, dem Nacken, der Brust oder viel tiefer liegend in den Organen aufzufinden sein. Der Atem kann ebenfalls davon betroffen sein.

Nutze die Übung der Verbundheit mit sich selbst, um die Verbindung zu Dir selbst wieder herzustellen, zu stärken und zu nähren.

Vielleicht kannst Du bereits nach der ersten Sitzung feststellen, dass sich ein Gefühl von Wohlbefinden einstellen kann. Vielleicht spürst Du, dass Du ruhiger bist, klarer atmest oder Dich ein wenig mehr „bei Dir“ fühlst. Es geht dabei nicht darum, sofort etwas zu leisten oder zu verbessern, sondern darum, Dich selbst wieder bewusst zu erfahren – mit allem, was gerade da ist.

Der Garten des eigenen Herzens – eine geführte Hypnose / Meditation

Und während du dich jetzt einen Moment lang einfach
bequem hinsetzt …
oder vielleicht ganz still stehst …
kannst du einmal bemerken,
wie der Atem ganz von selbst ein- und ausfließt …
so, wie er es immer tut …
ruhig … gleichmäßig … natürlich …

Und vielleicht magst du jetzt,
ganz sanft,
eine Hand auf dein Herz legen …
ohne etwas zu erwarten …
nur um zu spüren,
dass da etwas lebt …
etwas, das schon so lange für dich schlägt …

Und während du spürst,
wie deine Hand die Wärme deines Körpers aufnimmt,
kannst du dir vorstellen,
dass du in einem Garten stehst …
einem ganz besonderen Ort …
dem Garten deines eigenen Herzens.

Vielleicht war dieser Garten lange nicht besucht worden …
das Gras ist ein wenig hoch gewachsen …
die Wege kaum zu erkennen …
und irgendwo in der Ferne
riechst du den Duft von Erde,
von altem Holz,
von Leben, das darauf wartet,
wieder berührt zu werden.

Und während du dich dort umsiehst,
bemerkst du vielleicht,
dass du gar nicht alles auf einmal verändern musst …
dass es genügt,
einen kleinen Zweig zur Seite zu schieben …
oder einfach einen Atemzug zu tun,
der etwas Raum schafft in dir.

Und du weißt,
wie jeder kleine Schritt,
jede liebevolle Bewegung,
jede freundliche Geste dir selbst gegenüber …
etwas verändert.

Vielleicht ganz leise …
vielleicht kaum merklich …
aber spürbar.

Denn so, wie der Boden eines Gartens
durch Regen und Sonne,
Geduld und Zeit fruchtbar wird,
so wächst auch in dir
etwas Neues …
etwas Weiches,
etwas Warmes.

Und während du dir erlaubst,
wiederzukehren –
zu diesem Ort –
immer wieder,
vielleicht nur für einen kurzen Augenblick am Tag …
bemerkst du,
wie es leichter wird,
dich selbst zu mögen …
dir selbst freundlich zu begegnen …
und die Stimme,
die einst so streng war,
mit jedem Atemzug sanfter wird.

Und vielleicht,
an einem Tag,
den du gar nicht besonders erwartest,
gehst du in diesen Garten,
und siehst,
wie dort Licht fällt –
und wie eine Blume blüht,
die du längst vergessen hattest.

Und du weißt dann,
dieser Garten war nie verloren …
er hat nur auf dich gewartet.

Geführte Stehende Meditation – Achtsamkeit, Erdung & innere Balance (55 Minuten Praxis)

Diese 55-minütige geführte stehende Meditation lädt dich ein, die Verbindung zwischen Körper, Atem und Bewusstsein neu zu erleben.
Während du stehst, öffnet sich ein Raum für stille Präsenz – jenseits von Denken, Wollen und Müssen.

Du lernst, den Körper als Anker der Achtsamkeit zu erfahren:
Wie du Gewicht abgibst, Erdung findest und die feinen Bewegungen des Atems spürst.
Wie du Spannungen loslässt, während du gleichzeitig in Stabilität und Wachheit verweilst.

Die stehende Meditation ist eine zentrale Praxis in vielen Körper- und Bewusstseinsschulen – von Taijiquan und Qigong bis zur Achtsamkeits- und Psychotherapiearbeit. Sie schult Gleichgewicht, Konzentration und innere Ruhe, stärkt das Nervensystem und hilft, geistige Klarheit im Alltag zu bewahren.

Diese geführte Meditation eignet sich sowohl für Einsteiger:innen als auch für erfahrene Praktizierende, die ihre Wahrnehmung vertiefen und die Kraft des Stehens neu entdecken möchten.

Inhalt der Folge:
• Einführung in die stehende Meditation (Zhan Zhuang)
• Bewusste Atemführung & Körperwahrnehmung
• Schulung von Achtsamkeit im Stehen
• Entspannung & innere Ausrichtung
• Stille Integration & Nachspüren

Dauer: 55 Minuten
Empfohlen: bequeme Kleidung, ruhiger Ort, aufrechter Stand

Methodik des Meditierens

Wie jetzt – meditieren kann ich auch im Stehen?

„Stühle und Tische wären die größten Meditationsmeister, wenn meditieren still sitzen bedeutete.“

Mittlerweile hat sich die Übung – Meditation – weit verbreitet. Im weiteren Verlauf werde ich nur noch den Begriff Übung anstelle von Meditation verwenden, um deutlich zu machen, dass dieser Begriff genau das ausdrückt, worum es geht.

Jeder kennt jemanden, der sie praktiziert, sie schon einmal ausprobiert hat oder zumindest darüber nachgedacht hat. Es gibt Meister, Gurus, Autoritäten, Laien, Mönche, Hobbyisten, Therapeuten, Hippies, Linke und andere merkwürdige Menschen – vielleicht auch solche, die einen nur verschaukeln wollen.

Missverständnisse rund um die Übung

So weit dieses Feld auch ist, so viele Fehlinformationen, Irrglauben und Verwirrungen gibt es. Von utopisch über spirituell, religiös, esoterisch, materialistisch, klinisch oder therapeutisch bis hin zu sportlich motiviert – die Varianz ist groß, die Irritation ebenfalls.

Eine hartnäckig sich haltende und immer wieder reproduzierte Unwahrheit ist, dass die Übung nur im Sitzen richtig ausgeführt werden könne. Alles andere sei etwas anderes. Ist das so?

Die Wahrheit ist, dass unterschiedliche Schulen und Richtungen verschiedene Wege der Übung bevorzugen. Die jeweils geübte Methode hat sich im entsprechenden Kontext als richtig erwiesen.

Vom Kontext zur richtigen Haltung

Ein Zimmermann braucht ein gutes Gleichgewicht und Kraft, darf dabei aber selbst nicht zu viel Gewicht auf die Waage bringen und sollte angstfrei in der Höhe sein, richtig?
Würde es dem angehenden Handwerker nützen, immer nur auf festem Grund zu sitzen, täglich unzählige Mahlzeiten zu verschlingen, sich nicht zu bewegen und Angst vor der Höhe zu haben?

Du kennst kontextrelevantes Übungsverhalten aus deiner Kindheit, oder? Was war in deinem Elternhaus richtig und wichtig? Welche Einstellungen, Glaubenssätze und Weisen des Verhaltens, Denkens und Fühlens hast du „übernommen“? Was gab es donnerstags zu essen? Erlernt ist dabei der treffendere Ausdruck, da es sich um sozial erlernte Muster handelt. „Du wirst immer mehr wie dein Vater/deine Mutter!“ – kennst du so einen Satz? So einen Gedanken?

Kontextrelevanz und kulturelle Unterschiede

Der Kontext beinhaltet viele Parameter – alle Möglichkeiten im menschlichen Feld. Eine Kultur, in der das Sitzen auf dem Boden zum Alltag gehört, weil sie nomadisch geprägt ist und sich auf ein Minimum an materiellem Besitz beschränkt, verzichtet auf schwere Möbel, um beweglich zu bleiben. Dort wird geübt, auf einem Kissen oder gar ohne Kissen auf dem nackten Boden zu sitzen.

Ein nomadisches, also in Bewegung befindliches Leben, wird in Ruhephasen eine sitzende Position der stehenden vorziehen, um die Beine zu entlasten, Energie zu sparen und dennoch wach und klar für den sozialen Austausch zu bleiben. Gelegentlich ist es auch möglich, dass gesellschaftlicher Dialog im Liegen stattfindet – vielleicht dann, wenn der Geist hellwach, der Körper aber erschöpft ist.

Es gibt unzählige weitere Szenarien, die verdeutlichen, warum der Kontext entscheidend für die Methode der Übung ist.

Die äußere und die innere Form

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich nur die äußere Form der Übung und nicht ihre inhaltliche Ebene beleuchte. Ein Diskurs über die unterschiedlichen Inhalte der Übung wäre für sich genommen eine unendlich wertvolle und weite Angelegenheit. Dennoch kann auch hier kurz gesagt werden, dass der Inhalt der Übung einem Kontext unterliegt – frei nach dem Motto von Master Lo Man Kam, übertragen durch Meister Andreas Zerndt: „Why train if no use?“ – Wieso übst du, wenn du es nicht brauchst?

So gesehen kann die Übung im Stehen, im Gehen oder auch im Liegen geschehen. Das Verweilen in einer oder mehreren Haltungen, das langsame, fließende Bewegen durch Haltungen in andere Positionen kann die äußere Form der Übung darstellen. Diese kann wiederum von der inneren Haltung und der körperlichen Struktur beeinflusst werden. Und der Einfluss der äußeren Struktur kann umgekehrt die innere Haltung beeinflussen – frei nach Frank Marquardt.

Wechselwirkungen von Körper und Geist

Sicherlich kann eine Übung darin bestehen, die gegenseitigen Einflüsse und Abhängigkeiten aufzulösen, sodass Äußeres und Inneres unabhängig voneinander geschehen können.

Ob dies eine fortgeschrittene Übung darstellt oder einfach nur eine Übung für sich, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Der eine sagt so, der andere anders. Der eine würde anführen, dass zunächst die Erfahrung des einen notwendig sei – ein Geschmack, um das andere zu verstehen. Der andere würde anmerken, dass es direkt geübt werden könne. Kontextrelevanz? Vielleicht!

Dogmatisches Denken als Hindernis

Dogmatisches Denken ist auf dem Weg der persönlichen Entwicklung ein Hindernis. Jedes Erleben und jede Erfahrung, die durch sogenannte unbegründbare, letztendliche und aus sich heraus legitimierende Wahrheiten eingeschränkt werden, können als Depression oder Regression verstanden werden.

Der Mensch als Einheit

Die Übung ist ein Mittel, eine Methode der Entwicklung des Menschen. Ich wähle den Begriff Mensch hier ausdrücklich, um zu verdeutlichen, dass es sich nicht nur um die Entwicklung des Geistes handelt. Der Mensch ist Körper, Geist und Seele. Die Übung zielt darauf, die Gesamtheit der menschlichen Erfahrung zu verfeinern.

Die stehende Übung – Zhan Zhuang

Es gibt viele Gründe, die Übung im Stehen zu praktizieren. Der wichtigste ist – wie in der einschlägigen Literatur zum Zhan Zhuang, der Übung der stehenden Säule, beschrieben – die Steigerung, im Sinne der Kräftigung, der körperlichen Energie. Damit verbunden sind eine Verfeinerung der Körperwahrnehmung, die Korrektur der Körperstruktur, eine Stärkung der Beinausdauer und -kraft sowie, je nach Armposition, eine Kräftigung der Arme. Insgesamt wird die Blutzirkulation und damit die Versorgung der Kapillaren und Organe mit Sauerstoff verbessert.

Kaum wahrnehmbare Mikrobewegungen der Muskulatur bis hin zu sichtbarem Zittern sorgen für eine Erwärmung des Körpers. Der Übende kann – je nach Erfahrungsgrad – fünf Minuten bis hin zu mehreren Stunden in dieser Position verweilen. Hervorragend lässt sich dabei üben, herausfordernde Situationen mit einer bestimmten Geisteshaltung annehmbar, förderlich und mit einem Gefühl von Wohlbefinden zu erfahren.

Wahrnehmung von Zeit und Bewusstsein

Dabei kann sich das aus der Hypnose bekannte Phänomen der Zeitverzerrung deutlich zeigen. Kann der Übende eine annehmende innere Haltung einnehmen, kann die Zeit wie im Zeitraffer vergehen. Andererseits scheint sie kaum zu vergehen, wenn die Übung als Belastung erlebt wird.

Praktische Vorteile der stehenden Übung

Ein weiterer Vorteil der stehenden Übung ergibt sich schon aus der Position selbst: Sie kann überall dort stattfinden, wo der Übende nicht sitzen möchte oder kann. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Jeder möge seiner Fantasie Raum geben, Szenarien zu erschaffen, in denen räumliche Hindernisse eine sitzende Übung verhindern könnten.

Ein weiterer Grund kann sein, dass der Übende einen dumpfen, schläfrigen Geist erlebt, während der Körper voller Vitalität, wach und handlungsfähig ist. In solchen Momenten kann die sitzende Übung die Schläfrigkeit des Geistes auf den Körper übertragen und damit die Übung sabotieren.

Ruhe, Entspannung und Klarheit

Grundsätzlich sei darauf hingewiesen, dass die Übung zwar einen entspannenden Effekt auf Geist und Körper hat, dieser Zustand jedoch keineswegs mit der Dumpfheit zu verwechseln ist, die kurz vor dem Einschlafen erlebt wird. Ruhe und Entspannung sind weder Ziele der Übung noch als Stufen zu betrachten. Vielmehr sind sie als Fahrzeug zu verstehen – ein Mittel, dessen man sich bedient.

Das Ziel eines Handwerkers ist es nicht, den Hammer zu beherrschen, sondern die Beherrschung des Hammers zu nutzen, um seine Möglichkeiten einzusetzen.

Entspannung und Ruhe sind kein Selbstzweck. Ihre Qualität zeigt sich in Klarheit und Einsicht – einer Wachheit des Geistes, die in allen Lebenslagen erhalten bleibt, sobald sie einmal erfahren wurde. Gleich dem Geschmack, der, einmal erlebt, immer wieder erlebbar ist.

Für wen die stehende Übung besonders geeignet ist

Für Menschen, die viel und lange in sitzender Position arbeiten, kann das Üben im Stehen eine willkommene Abwechslung darstellen. Das Becken und die Wirbelsäule, die in sitzender Position häufig durch Fehlhaltungen ungünstig belastet werden, können so entlastet und im besten Fall in der Übung korrigiert werden.

Fazit

Die Liste der Vorteile der Übung im Stehen ließe sich sicherlich – abhängig vom Kontext – noch lange fortführen. Ich möchte meine Ausführungen an dieser Stelle jedoch begrenzen, da ich mit dem Gesagten wohl einige Punkte nennen konnte, die meine Position verständlich machen.

Hier klicken um eine geleitete Übung von 55 Minuten Länge zu praktizieren. Sie ist sowohl für Anfänger wie auch für fortgeschrittene Übende geeignet.

Selbstliebe lernen – Warum dein Gehirn Übung braucht, um dich wirklich zu lieben

Ein Klient hatte kürzlich als Hausaufgabe bekommen, sich selbst Liebe zu schenken.
Bei der Übung sollte eine Hand auf dem Brustkorb, im Herzbereich, ruhen, während er laut und hörbar zu sich sagte:
„Ich liebe mich.“

Hin und wieder wurde die Übung ausprobiert, doch sie wurde als schwierig empfunden.
Ein glaubwürdiger Ton in der Stimme fehlte.

Diese Beobachtung habe ich bereits häufig gemacht.
Viele Menschen empfinden es als ungewohnt oder sogar unangenehm, sich selbst liebevoll zuzuwenden.


Wiederholung – die Sprache des Gehirns

Ich erkläre in solchen Momenten gerne, dass es für uns Menschen notwendig ist, die Dinge, die wir gut machen möchten, regelmäßig zu wiederholen.
Unser Gehirn lernt durch Wiederholung.

Ich frage dann oft: „Welche Dinge haben Sie im Leben durch Übung gelernt?“
Die Antworten sind meist ähnlich: Sprache, Bewegung, Kochen, Sport, Musikinstrumente – all das wird durch Wiederholung verinnerlicht.

Selbstliebe bildet da keine Ausnahme.


Das Gehirn und seine Neigung zum Negativen

Studien zeigen, dass Menschen etwa 60–70 % des Tages mit negativen Gedanken über sich selbst beschäftigt sind.
Dadurch entstehen im Gehirn neuronale Netzwerke, die besonders schnell auf Negatives reagieren.
Diese Netzwerke wachsen mit der Zeit zu großen, stark verknüpften Clustern, die negative Selbstbilder stabilisieren.

So begegnet sich der Mensch oft selbst mit Herabsetzung oder gar Selbstbeleidigung.
Gedanken wie:

„Du bist ein Versager.“
„Das kann doch nicht klappen.“
„Du bist einfach nicht gut genug.“

Diese inneren Stimmen prägen unser Selbstbild – und damit auch unser Erleben.


Wie Selbstliebe neue neuronale Wege schafft

Demgegenüber steht die Selbstliebe – ein kleines, oft wenig genutztes neuronales Netzwerk.
Wenn wir liebevolle Gedanken und Handlungen regelmäßig wiederholen, beginnen diese Synapsen, sich zu verstärken.
Aus einem kleinen Cluster entsteht allmählich ein größeres, stabileres Netzwerk, das positiv auf wertschätzende, liebevolle und dankbare Erfahrungen reagiert.

Das bedeutet:
Je häufiger du dich in Selbstliebe übst, desto selbstverständlicher und natürlicher wird sie.

Auch in Beziehungen wirkt sich das aus:
Ein Mensch, der sich selbst mit Respekt und Mitgefühl begegnet, kann auch anderen mit mehr Verständnis und Wärme begegnen.
Beziehungsdifferenzen entstehen oft aus unterschiedlichen Wertigkeits- und Selbstwertempfindungen.


Wenn das Herz sich öffnet – und das Einhorn fliegt

Mit jedem liebevollen Gedanken, jeder dankbaren Handlung wächst in uns ein Stück Sonne.
Und vielleicht – sinnbildlich gesprochen – geht irgendwann die Sonne auf,
aus der ein Regenbogen hervortreten kann,
über den, ganz leicht, ein Einhorn fliegt.


Bestärkende Handlungen für mehr Selbstliebe

Hier einige Wege, wie du täglich deine Selbstliebe stärken kannst:

  • 🎁 Dir selbst Geschenke machen – auch kleine Aufmerksamkeiten zählen.
  • 🙏 Dankbarkeit ausdrücken – für das, was du bist und hast.
  • 💪 Motivation pflegen – erkenne deine Fortschritte an.
  • 🔍 Dich selbst besser kennenlernen – reflektiere deine Werte und Bedürfnisse.
  • 🧘 Gutes für den Körper tun – Sport, Massage, Entspannung, gesunde Ernährung, Schlaf, Berührung, Sexualität.
  • 🧩 Gehirnjogging & Lernen – Neues aktiv erkunden.
  • 🧴 Körperhygiene pflegen – liebevoller Umgang mit dir selbst.
  • 🏡 Raumhygiene – ordne deine Umgebung, um Klarheit im Inneren zu fördern.
  • 🌍 Reisen – neue Perspektiven erleben.
  • 🤝 Soziales Netzwerk stärken – Nähe und Verbundenheit nähren das Herz.

Fazit

Selbstliebe ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist eine Praxis.
Mit jedem kleinen Schritt, jedem Moment der Achtsamkeit, jedem liebevollen Gedanken trainierst du dein Gehirn, dich selbst anzunehmen.
So wächst mit der Zeit nicht nur dein Selbstwert, sondern auch deine Fähigkeit, das Leben mit offenem Herzen zu begegnen.

Hier gelangst Du zu einer Hypnose / Meditation zum Thema Selbstliebe.

8sam – Reflexion zu den Sitzungen Entspannung – Das Loslassen üben

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen habe ich jeweils ein bis eineinhalb stündige Sitzungen zu dem Thema Entspannung – Das Loslassen üben gegeben. 

Die Sitzungen richteten sich an Mütter, die im Alltag Schwierigkeiten haben, Entspannung zu finden. In der ersten Gruppe waren ausschließlich Mütter anwesend. Die zweite Gruppe bestand aus Müttern und Kindern in unterschiedlichem Alter. Einige der Mütter erlebten durch das unangepasste Verhalten der Kinder problematische Situationen. Bei den Kindern gab es einige mit einer verstärkten Motorik und reduzierter Aufmerksamkeit. 

Ausschließlich Mütter

Am ersten Tag stellte ich das Thema und mich des Abends den anwesenden Frauen vor. Die erste Sitzung sollte mit zwei Minuten in Ruhesitzen beginnen. Sobald ich die anwesenden Frauen instruiert und das Zeichen gegeben hatte, wurde es ein Stockwerk unter uns unerwartet laut. Die Kinder, die sich dort aufhielten, spielten miteinander. Eine der Frauen fühlte sich vom lauten Spiel der Kinder so gestört, dass sie entrüstet aufsprang, um die Kinder zur Ruhe zu bringen, während die restlichen Anwesenden in Ruhe verblieben. Als die Zeit um war, kam die Mutter wieder in die Gruppe, wo sie mitteilte, dass sie die entstandene Unruhe nicht ertrug. Ich dankte ihr für die Möglichkeit, die sie mir gab, um den richtigen Einstieg in das Thema zu finden. Besser ging es gar nicht, denn alle konnten erleben, wie sich das Festhalten an schwierigen Gefühlen und Gedanken auf das Erleben im Augenblick auswirken konnte. Genau darum ging es ja an diesem Wochenende, die Anwesenden wollten üben, loszulassen. Des Weiteren musste die Frau feststellen, dass ihre Bemühungen gänzlich erfolglos blieben. Die Kinder tobten weiter, entgegen ihrem momentanen Wunsch nach Ruhe. Sie teilte mit, dass sie nie gelernt habe, loszulassen. Es fiel ihr wirklich schwer, solche Situationen unbeschwert zu erleben. Ich bestätigte ihr Erleben. Betonte, dass wenn uns etwas persönlich wichtig würde, wir davon besonders betroffen wären, wenn sich die Dinge nicht so entfalteten, wie wir es uns wünschten. Das konnten alle Anwesenden bestätigen. Ebenso betonte ich, dass das Üben unerlässlich sei. Wir Menschen müssten Verhalten, Denkweisen, Gefühle üben, um diese in bestimmten Situationen gemäß unserem inneren Wunsch abrufen zu können. Des Weiteren sei es unerlässlich zu üben, wenn es am schwierigsten sei und nicht, wenn es am einfachsten sei. Bezogen auf ein Leben als Vater oder Mutter einer Familie in den heutigen Umständen, kann man nicht einfach so in die Abgeschiedenheit ziehen, um dort Ruhe zu erleben und diese in sich zu kultivieren. Was sollte auch eine solche Kultivierung nützen? Spätestens in dem Augenblick, in dem es wieder wild, laut, aufgeregt und keineswegs ruhig sei, könnte die Übung nicht greifen. Da Ruhe in der Ruhe geübt wurde, anstatt Ruhe im Sturm zu üben. An dieser Stelle werden mir viele Lehrer und KollegInnen widersprechen wollen. Ich möchte aber auf erfahrungsbezogene Verfahren verweisen, die genau diese Vorgehensweise erfolgreich einsetzen, beispielsweise um Ängste zu überwinden. Auch aus dem Kampfsport kennt man die Auseinandersetzung im Sparring als Vorbereitung auf einen realen Kampf. In der dualen Ausbildung wendet man eben die direkte Erfahrung als Lehrmethode an. Da die Frauen zustimmten, dass ihnen das Loslassen schwerfiel, sie hätten dies nie geübt, stellte ich Ihnen alltägliche Erfahrungen des Loslassens vor. Ich wollte daran erinnern, dass das Loslassen eine grundlegende menschliche Erfahrung sei, die bereits durch die Geburt geprägt wurde.

Auf zwei Karten hatte ich Listen von Themen erstellt, die das Loslassen im Alltag veranschaulichten. Ich teilte den Prozess in zwei Kategorien: freiwilliges und erzwungenes Loslassen. 

erzwungenes Loslassen
Trennung
Verlust – etwas geht verloren, jemand geht verloren
Veränderung der Lebensweise aufgrund von Gesundheitsrisiken 
Verlust von Erinnerungen als Schutzfunktion des Geistes / Gehirns vor Tarumatisierung
Haare schneiden bei Befall / Krankheit der Kopfhaut
Toilettengang – natürlicher Vorgang – Stochwechsel
Geldstrafen
Schneiden der Fingernägel
Kleiderschrank ausräumen
Altkleider entsorgen
Menstruation
Atmen
Eintritt in Lebensphasen
Regierungsparteien
freiwilliges Loslassen
etwas verschenken
etwas verleihen
Veränderung der Lebensweise am Alter angepasst
unbequeme Erinnerungen
Haare schneiden bei Veränderung
Toilettengang – Es gibt Menschen die aus untersiedlichen Gründen Anhalten. 
Verkaufen von etwas Wichtigem
Schneiden der Fingernägel
Abfälle entsorgen
Altkleider entsorgen
Shopping
Tausch von Freizeit gegen Arbeit um sich einen Lebensstil leisten zu können

Wir lassen in so vielen Prozessen und Situationen im Leben los, dass wir sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Einige der Punkte besprachen wir ausführlicher. Die Aufteilung in die Kategorien ist nicht immer eindeutig und abhängig von der Situation. Situationen wie den Kleiderschrank auszuräumen, Altkleider zu entsorgen und shoppen sorgten für ein Lachen. Der Tausch von Freizeit gegen Arbeit wurde besonders diskutiert, da dieser Punkt von den Anwesenden als Notwendigkeit empfunden wurde. Ich hielt dagegen, dass in der heutigen Gesellschaft auch ein Leben im sozialen Gefüge möglich sei. Dem stimmten alle zu und ergänzten, dass die Lebensweise hier entscheiden Einfluss nähme.

Eine der Frauen wollte an dieser Stelle wissen, wo die Achtsamkeit ansetzte. Ich erklärte, dass Achtsamkeit bedeute, dem gegenwärtigen Augenblick mit Gewahrsein und Akzeptanz zu begegnen. Die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, ohne sie verändern zu wollen. Das Loslassen zu verstehen und zu begreifen, dass Loslassen nicht immer gleichbedeutend sei mit Ruhe. Ich bezog mich erneut auf die Liste und wir stellten fest, dass der Prozess des Loslassens begleitet sein kann mit Spannung, Veränderung, Ruhe, Reifung, Scham, Wut, Trauer, Festhalten, Entspannung. Sich den unterschiedlichen Zuständen, Gefühlen und Gedanken gewahr zu sein, diese und ihre Auswirkungen auf uns zu verstehen, sei ein achtsamer Prozess.

Um das Loslassen zu üben, kann man sich die unterschiedlichen Formen betrachten und sich fragen, wie man mit diesen umgehe.

Bezogen auf Loslassen als Entspannung, fragte ich die Anwesenden, welchen Klang sie benutzten, um auszudrücken, dass nach einer Phase von Spannung Entspannung folgen muss. Alle einigten sich auf einen Klang, der wie „Puh!“ oder ein Ausschnauben klinge. Ich bat die Anwesenden, ihre Hände locker auf ihre Beine zu legen, die Augen zu schließen, einige Atemzüge zuzulassen und sich ausschließlich dabei auf den Atem zu konzentrieren. Vielleicht würde der Atem an beliebiger Stelle im Körper stocken. Dann sollten alle den Klang „Puh!“ oder das Ausschnauben ausprobieren. Dabei sollten Varianten davon ausprobiert werden. Jeder war dazu aufgefordert zu beobachten, welche körperlichen Reaktionen folgten, was im Geist passierte und welche Gefühle entstünden. Nach einer Übungsphase von 10 Minuten bat ich die Teilnehmerinnen sanft zurückzukehren, ihre Umgebung wahrzunehmen und ihre Erfahrungen mit den anderen zu teilen. Zunächst fühlte sich die Übung für die Teilnehmerinnen albern an. Als sich die Frauen auf die Übung einließen, erfuhren sie, dass sich der Körper im Bauchraum jedes Mal entspannte und eine wohlige Wärme aufsteigen konnte. Im Anschluss bat ich die Frauen erneut, ihre Augen zu schließen und sich dieses Mal ihre Lieblingsspeise vorzustellen und den Klang, der ausdrückte, dass sie das Gericht wertschätzten. Ich fragte ab, ob das Bild vor den Augen entstanden war. Dann fragte ich, ob bereits ein Speichelfluss im Mund entstünde. Der Zustand wurde von allen bestätigt. Alle schluckten. Dann bat ich die Frauen, den Klang laut auszudrücken. Bis auf eine Person waren alle in der Lage, den Klang anzustimmen. Ich bat die Anwesenden, ihre Aufmerksamkeit auf die folgenden körperlichen Prozesse zu richten. Alle bestätigten, dass der Körper sich weich und warm anfühlte und dass ein erhöhter Speichelfluss wahrgenommen wurde. Ich erklärte, dass uns Klänge begleiteten, die einen Zustand ausdrückten. Diese Klänge seien mit diesen Zuständen konditioniert und würden unweigerlich bestimmte Zustände in uns hervorrufen. Wenn unser Körper signalisiert, zu entspannen, kann er nicht verspannt sein. Wenn der Körper signalisiert bekommt, dass er gleich etwas verdauen soll, entspanne er zunächst, um sich der Aufgabe der Verdauung widmen zu können. Daher gibt es die Redensart: „Wenn ich esse, dann esse ich!“. Würde man in angespannten Situationen essen, ohne den Körper ausdrücklich auf die bevorstehende Verdauung vorzubereiten, würde dies unweigerlich zu Problemen mit der Verdauung führen. Auch hier verberge sich das Loslassen. Nämlich das Loslassen eines Zustandes, um dem Körper den Raum für lebenswichtige Prozesse zu geben. In diesem Fall den Stoffwechsel. Ich munterte die Frauen dazu, auf, noch einige Male für sich die Laute zu üben. Um anschließend noch weitere Laute und deren Konditionierungen abzufragen. Nachdem wir alle Laute, die uns in den Sinn kamen, besprochen hatten, teilte ich die Idee, bei sich anbietender Gelegenheit von Stress und Spannung einfach mal sein Lieblingsgericht vorzustellen und dabei herzhaft „Mm!“ zu sagen. Die Situation als Übung zu betrachten und zu beobachten, was geschieht. Die Frauen fanden diese Idee albern. Ich betonte, dass Humor immer wirkungsvoll sei. Ich schloss die Stunde mit einer Meditation, die noch mal die Konzepte von Spannung, Festhalten und Loslassen verdeutlichte. Die Meditation ist im Handout beschrieben.  

Kinder und Mütter

Am zweiten Tag war der Raum deutlich voller, da nun Kinder und Mütter zu einer gemeinsamen Sitzung zum Thema Entspannung – Das Loslassen üben gekommen waren. Es waren mehr Kinder  (Kleinkind-Alter bis Jugend) als Erwachsene anwesend. Mütter und Kinder nahmen im Raum in einem Kreis Platz. Ich stellte meinen Beruf und Werdegang kurz vor. Ich hob meine Lehrer dankbar hervor, bei denen ich Achtsamkeit und Dharma erlernt hatte. Dann fragte ich in die Runde, ob dort jemand bereits vorher Erfahrungen mit Achtsamkeit, dem Dharma bzw. dem Buddhismus gesammelt hatte. Bis auf die jugendliche Teilnehmerin hatten die Kinder keine Antwort auf meine Frage. Die Mütter teilten ihre Kenntnisse mit. Ich bedankte mich bei allen für ihre Teilhabe und beschrieb Achtsamkeit als die Fähigkeit, mit dem, was gerade sei (Gefühl, Gedanke, Gespür) in Akzeptanz zu verweilen. Dies unverändert zu lassen, um zu verstehen, wie es sich darstelle, was es verursache und was daraus gelernt werden könne. Um die Kinder einzubeziehen, fragte ich die Kinder, wie sie sich momentan fühlten. Einige fühlten sich gut, andere waren verschämt, konnten sich aber nicht mitteilen, andere wiederum wussten keine Antwort zugeben. Dann fragte ich die Mütter, die von Freude, Neugier und Dankbarkeit ergriffen waren. Ich teilte mit, dass ich in diesem Augenblick eine Gänsehaut erlebte, die mir zeigte, dass ich aufgeregt war. Dabei verspürte ich eine deutliche Wärme im Körper und meine Atmung war etwas flacher als sonst. Ich fragte in der Runde, wie sie Gänsehaut erlebten, aus welchen Situationen sie diese kannten. Jeder konnte  Gänsehaut-Momente teilen. Damit hob ich noch einmal hervor, dass es bei der Arbeit mit Achtsamkeit darum ginge, solche Vorgänge im Körper zu identifizieren, zu bestimmen und damit in Akzeptanz zu sein. 

Dann bat ich die Kinder, in einem Kreis in der Mitte des Raumes Platz zu nehmen. Ich erklärte, einen Ton abzuspielen, auf den die Kinder ihre Augen schließen und sich nur auf ihre Atmung konzentrieren sollten. Der Ton erklang, die Kinder saßen im Schneidersitz, hatten ihre Hände auf die Knie gelegt und konzentrierten sich auf ihr Atmen für zwei Atemzüge. Dann bat ich die Kinder wieder, ihre Augen zu öffnen und mitzuteilen, ob sie ihre Atmung spüren konnten. Alle Kinder bestätigten, ihren Atem wahrgenommen zu haben. Anschließend bat ich die Kinder, sich jeweils eine Hand auf die Brust zu legen und nach dem Erklingen des Tones dort zu spüren, wie sich der Brustkorb beim Atmen hebt und senkt. Als der Ton erklang, schlossen alle Kinder erneut die Augen und konzentrierten sich auf ihre Atmung. Sie beobachteten für zwei Minuten ihren Atem. Dann bat ich die Runde, die Übung zu beenden und allen Anwesenden mitzuteilen, was sie dabei empfanden. Die Kinder teilten sich und ihre Erfahrungen mit. Anschließend bat ich die Mütter, mitzuteilen, wie sie die Runde ihrer Kinder wahrgenommen hatten. Die Mütter waren erstaunt, dankbar, erfreut und überrascht, dass ihre Kinder in der Lage waren, sich für diesen kleinen Augenblick auf die gestellte Aufgabe zu konzentrieren. 

Dann dankte ich den Kindern und bat sie, mit ihren Müttern die Plätze zu tauschen. Nun sollten die Mütter auf das Signal ihre Augen schließen und sich kurze Zeit auf ihren Atem konzentrieren. Dabei forderte ich die Kinder auf, viel Lärm zu machen, um die Mütter vor die Herausforderung zu stellen, sich auch bei Lärm auf ihren Atem besinnen zu können. Als der Ton erklang, schlossen die Mütter ihre Augen und brachten ihre Aufmerksamkeit auf ihren Atem. Zeitgleich rollte eine Lärmlawine durch den Raum. Als die Übung endete, teilten die Mütter ihre Erfahrung. Sie teilten die Erfahrung, dass das Erleben zwischen dem Lärm und der Eigenwahrnehmung hin- und hergerissen war, eben wie im Alltag. Für die folgende Übung bat ich die Kinder, in Stille mit den Müttern zu sitzen. Die Gruppe sollte die Erfahrung von tiefen Atemzügen machen, darum bat ich die Anwesenden, einige bewusst laute Atemzüge durch die Nase zu nehmen und bewusst die Luft auszuschnauben. Einige Kinder fanden diese Übung albern und kicherten währenddessen. Danach teilten wieder alle ihr Erleben. Die Mütter waren an dem Punkt noch immer von ihren Kindern begeistert und die Kinder teilten, die Übung gut empfunden zu haben. Ebenso wurde eine Entspannung bei den Erwachsenen erlebt. Für die folgende Übung sollten sich die Kinder dicht an ihre Mütter setzen und diese, während die Mütter in Ruhe mit ihrem Atem sitzen, sanft über den Rücken streicheln, beklopfen und anpusten. Dabei sollten die Frauen auf ihre Empfindungen, Gefühle und Gedanken achten. Eine Mutter musste an dieser Stelle mit ihren Kindern die Gruppe verlassen, da persönliche Hindernisse und Familiendynamiken diese Übung nicht mehr zuließen. Die anderen beobachteten, wie sich die Situation entfaltete und wieder auflöste und begannen die Übung. Die Kinder, die bereits vorher albern waren und kicherten, kicherten auch bei dieser Übung. Andere waren sehr sanft und liebevoll im Umgang mit ihren Müttern. Die Mütter berichteten später, wie angenehm sie die Berührungen ihrer Kinder empfanden. 

Die abschließende Übung bestand darin, dass sich die Kinder dicht vor ihre Mütter setzten und die Frauen ihre Arme um ihre Kinder legten. Zum Klang des Tones sollten dann alle die Augen schließen und versuchen, den Atemrhythmus des anderen zu fühlen, das auftauchende Wärmegefühl zwischen den Körpern wahrzunehmen und begleitende Gedanken zu identifizieren. Eine weitere Mutter musste mit ihren Kindern die Gruppe verlassen, da die Kinder nach einer Stunde nicht mehr ruhig sitzen konnten und immer alberner wurden, was die Mutter sehr aufwühlte.

Am Ende dankte ich allen Anwesenden für ihr Durchhaltevermögen und das Teilen ihrer Erfahrungen. 

Zuletzt besuchte ich die Frau, die als Erstes mit ihren Kindern die Gruppe verlassen musste, um mit ihr die Situation zu besprechen und mich zu vergewissern, dass die Familie wieder stabil war. Sie illustrierte die Umstände und Bedingungen, wofür ich ihr nochmals dankte. Außerdem verwies ich auf das anwesende Fachpersonal im Falle weiterer zu erwartender Schwierigkeiten. 

Achtsamkeit bei ständigem Überdenken und Grübeln in einer Gruppe von Frauen die Verluste und Traumata erlitten haben.

In einer therapeutischen Gruppensitzung über Grübeln und Verlust begleiteten Psychoedukation, Achtsamkeit und Körperübungen Frauen auf dem Weg von der Traurigkeit zur Selbstliebe. Durch Rituale, Lachen, Summen und Meditation entstand Raum für Mitgefühl, Heilung und Verbundenheit.

Vom Grübeln zur Selbstverbundenheit: Eine Gruppenarbeit zu Verlust, Mitgefühl und innerer Heilung

Format: Gruppensitzung • Zielgruppe: Frauen mit Verlust- und Traumaerfahrungen • Dauer: 60–90 Minuten

Bericht, Übungssammlung und publizierbare Vorlage für eine geleitete Sitzung: Psychoedukation, Körperarbeit, Selbstmitgefühlsübungen und eine abschließende Meditation zur Integration.

1. Einführung

Kontext: Diese Sitzung richtete sich an Frauen, die Verlusterfahrungen und Traumata erlebt haben und darunter leiden, ständig zu grübeln, traurig und isoliert zu sein. Ziel war es, einen sicheren Raum zu schaffen, psychoedukativ zu begleiten und praktische Übungen für Selbstmitgefühl und Verbundenheit zu vermitteln.

2. Vorbereitung & Intention

Die Inhalte sind kulturell, sozial und spirituell informiert. Verlust wird hier nicht nur als Trauer, sondern als möglicher Übergang verstanden — ein Fenster für Wandlung statt nur Defizit. Eine kurze Vorfahren-Meditation diente als Einleitung zur Stärkung der Verbundenheit.

3. Sitzungsaufbau & Rahmen

  • Begrüßung, Vertraulichkeit klären, Gruppenregeln (Stummschaltung von Handys, Respekt vor Erzählzeiten)
  • Erlaubnis, den Raum zu verlassen und auf die eigene Grenze zu achten
  • Offene Einladung, nur das zu teilen, was sich sicher anfühlt

4. Exploration: Wie erleben die Teilnehmerinnen Grübeln?

Runde: Jede Teilnehmerin beschreibt Körperempfindungen, Gedankenmuster, Emotionen und Verhaltensweisen. Als gemeinsame Folgen des ständigen Grübelns traten auf: Spannungen, Schlaflosigkeit, Traurigkeit, Impulsivität, Erschöpfung, Hilflosigkeit, Angst und Wut.

Wichtig: Beobachte und fasse zusammen — aus dem, was individuell erzählt wurde, eine gemeinsame Erfahrung beschreiben, ohne persönliche Details preiszugeben.

5. Psychoedukation: Was macht das Gehirn?

Kurze Erklärung: Das Gehirn sucht Sinn — Grübeln ist oft ein Versuch, traumatische Ereignisse zu integrieren. Gleichzeitig kann permanentes Überdenken verhindern, dass kreative oder automatische Lösungen auftauchen. Humor (z. B. ‚die besten Ideen kommen auf der Toilette‘) kann Entlastung schaffen und zeigt, dass Einsicht manchmal im Nicht-Zwischen-„Kontrollieren“ entsteht.

6. Entwicklungsperspektive: Leben als Entfaltung

Metapher: Menschen erforschen die Welt wie Kinder — Grenzen sind flexible Lernfelder. Erwachsene brauchen Selbstberuhigungsstrategien oder ein unterstützendes soziales Netzwerk, das Geborgenheit bietet.

7. Akzeptanz & Mitgefühl (praktischer Teil)

Praxisempfehlung: Gemäß der Lehre von Jigmela Rinpoche wird vorgeschlagen, sich zunächst den weniger aufwühlenden Gefühlen anzunähern, bevor man sich an die schwierigsten heranwagt. Das Sitzen mit Gefühlen zeigt deren Vorübergehende Natur auf.

Übung A — Selbstliebe (‚Ich liebe dich, (Name)!‘)

  1. Setze/lege dich bequem hin. Lege die rechte Hand auf die Brust (Herzbereich).
  2. Atme 3–4 Mal bewusst ein und aus, um die Präsenz zu stärken.
  3. Sprich innerlich oder leise: „Ich liebe dich, (dein Name)!“ Wiederhole den Satz langsam, so oft, bis er sich weniger fremd anfühlt.
  4. Ermutige zur Wiederholung: Je häufiger geübt, desto schneller entsteht Gewohnung und Bedeutung.

Hinweis: Viele empfinden anfänglich Widerstand — das ist normal. Ermutige sanft zur Wiederholung und zur Akzeptanz dieses Widerstands.

Übung B — Summen für Wohlgefühl

  1. Erinnere dich an den Ausdruck, wenn ein Kind oder du selbst etwas sehr Schmackhaftes isst.
  2. Lasse das Summen laut oder leise erklingen; nimm die Wärme im Körper wahr.
  3. Verbinde Summen und Satz: Während du summst, wiederhole: „Ich liebe dich, (Name)!“

Wirkung: Körperliche Resonanz reduziert Grübelmuster und bringt die Aufmerksamkeit in den Moment.

8. Integration & Abschluss

Geführte Meditation (Kurzskript):

Einleitung: Schließe die Augen. Nimm 3 tiefe Atemzüge. Erlaube deinem Körper, sich zu entspannen.

Visualisierung: Stelle dir vor, dass Gedanken kommen wie Wolken am Himmel — sie ziehen vorüber. Halte nichts fest. Wenn starke Gefühle auftauchen, lege sanft die Hand auf die Brust und sage innerlich: ‚Ich liebe dich, (Name)‘.

Abschluss: Atme tief ein, öffne langsam die Augen, bedanke dich bei dir selbst. Teile, wenn gewünscht, ein kurzes Gefühl oder eine Erkenntnis in der Runde.

9. Wichtige Hinweise für Leitende

  • Safety first: Ermögliche jederzeites Verlassen des Raums und biete nach der Sitzung Zeit für Nachsorge an.
  • Halte Ressourcen bereit (Kontaktlisten für professionelle Hilfe, Notfallnummern).
  • Beobachte Überwältigungszeichen (Dissoziation, starke Panik) und handle entsprechend.

Kurzbeschreibung: In dieser Sitzung wurden Psychoedukation, Mitgefühlsübungen und Körperpraktiken kombiniert, um Grübeln zu verringern und das Gefühl der Verbundenheit zu stärken.

Schlagworte: Grübeln, Selbstmitgefühl, Verlust, Trauma, Meditation, Achtsamkeit

Achtsamkeit gegen Grübeln: Ein Sitzungsbericht

Ich wurde darum gebeten, eine Sitzung über ständiges Überdenken und Grübeln in einer Gruppe von Frauen zu moderieren, die Verlust und Traumata erlebt hatten. Darüber hinaus litten die Frauen unter der erlebten Traurigkeit und dem Gefühl, distanziert und unverbunden zu sein.

In Vorbereitung auf das Thema beschloss ich, einen Vortrag über die Sicht des Verlustes zu halten, wie er kulturell, sozial und spirituell informiert sein kann und wie Verlust, obwohl er individuell erlebt werden kann, in heutigen Gesellschaften häufig eher mit Traurigkeit als mit Übergängen verbunden ist, die aus einem anderen Blickwinkel auf freudige Weise verstanden werden könnten. Zusätzlich hatte ich eine Meditation vorbereitet, um das Gefühl der Verbundenheit mit den Vorfahren zu stärken.

In früheren Sitzungen über Selbstmitgefühl und Grübeln habe ich den Teilnehmern Karten zu dem Thema verteilt. Diese hatte ich mitgebracht, falls ich spontan doch ein anderes Gespräch führen müsste. Ich teilte den Frauen mit, dass ich allgemein über ihre Bedingungen informiert wurde. Ich habe dafür gesorgt, dass alle die Vertraulichkeit der Sitzung verstehen, womit alle einverstanden waren.

Dann wandte ich mich dem Thema Grübeln zu und bat die Teilnehmerinnen, zu veranschaulichen, wie sie diesen Zustand erlebten. Ich sagte Ihnen, dass es in Ordnung sei, wenn sie ihre Erfahrungen nicht teilen wollten.

Eine Person wollte es sich vorbehalten, den Raum zu verlassen, wenn sie sich von der Sitzung zu überfordert fühlte. Ich stimmte dem zu und ermächtigte jeden, auf sich selbst zu achten.

Jede Person berichtete detailliert von den Zeiten der Erfahrung, den Körperausdrücken, begleitenden Gedanken, Verhaltensweisen, Emotionen und Gefühlen. Wann immer eine Person fertig war, drückte ich meine Wertschätzung für das Geteilte aus und hob ein letztes Mal die wichtigsten Punkte hervor. Schließlich formulierte ich alles Geteilte um alles, was sich als eine gemeinsame Erfahrung des Grübelns darstellte, unabhängig von der individuellen Erfahrung.

  • Das ständige Grübeln führte dazu, dass die Frauen Spannungen, Schlaflosigkeit, Traurigkeit, Impulsivität, das Gefühl, ausgelaugt zu sein, überfordert zu sein, Hilflosigkeit, Angst und manchmal Wut erlebten.
  • Die Impulsivität richtete sich auf die Kinder, die immer instinktiv wüssten, welche Knöpfe zu drücken seien.
  • Die Gefühle von Traurigkeit, Angst und Wut wurden aufgrund der Traumatisierung oder des Verlustes erlebt.
  • Während des Tages ausgelaugt und leicht überfordert zu sein, würde zu einem anschließenden Erleben von ständiger Schlaflosigkeit und andauernder Wut, die in den Körpern verblieb.

Ich gab eine kurze Psychoedukation über die Funktion des Gehirns, welches versuche die von den Sinnen wahrgenommenen Informationen in eine sinnvolle Erfahrung zu integrieren. Und erklärte, wie Grübeln als zyklischer Prozess des Gehirns verstanden werden könne, einer traumatischen Erfahrung wie dem Verlust einen Sinn zu verleihen. Und weil Überdenken mit dem Grübeln einherginge, hinderten wir aktiv das Gehirn daran, das Problem eigenständig aus dem Reichtum der gespeicherten Erfahrungen zu lösen. Ich habe dargestellt, dass es Zeiten gebe, in denen eine Idee plötzlich auftauche, manchmal am Morgen, manchmal auf der Toilette oder unter der Dusche. Ich behauptete, meine besten Ideen auf der Toilette zu haben. Alle lachten, als sie den Hinweis verstanden und ebenfalls erklärten, spontane Ideen zu haben, wenn sie sie nicht erwarteten. Ich betonte, dass dies der Moment sei, in dem wir das Überdenken losließen. Der Moment, in dem das Gehirn seine volle Kapazität habe, sich mit der Bedeutungsfindung zu beschäftigen, indem es alles Erlebte und Gelernte neu einordne. Ich fragte, ob dieser Punkt verstanden wurde. Alle stimmten zu, und einige der Frauen tauschten eine Weile Ihre Erfahrungen angeregt miteinander aus. 

Sanft nahm ich das laufende Gespräch wieder auf. Ich erweiterte die Idee, dass wir in der Entfaltung des Lebens nur solche Erfahrungen machten (von der Kindheit zum Erwachsenen – von der Geburt bis zum Tod), mit denen wir auch zurechtkämen.

Betonte, wie Kinder die Welt um sich herum erkundeten und ihre Grenzen neugierig erweiterten. Der Moment, in dem ein Elternteil durch das Verhalten des Kindes Nerven aufgerieben reagiere (das Kind weiß instinktiv, welche Knöpfe zu drücken seien), sei, wenn das Kind seine Grenzen erkundete. Darüber hinaus sei es eine Illusion unseres Geistes, uns als Erwachsene wahrzunehmen und zu glauben, dass Erwachsene feste Grenzen hätten. Wir erforschten und erweiterten immer noch wie Kinder. Wir erforschten ständig unsere Fähigkeiten, indem wir uns auf sinnvolle Erfahrungen einließen. Manchmal würden wir verletzt, wie wir es als Kinder würden, wenn wir hinfielen. In diesen Augenblicken suchten wir die Geborgenheit unserer Eltern, unserer Erzieher, die unsere Schmerzen besänftigten. Als Erwachsene müssten wir unseren Schmerz selbst lindern, durch Akzeptanz, Selbstmitgefühl oder die Sicherheit eines sozialen Netzwerks, das wir entwickelt hätten und dem wir uns dann aufgeschlossen und vertrauensvoll zuwenden müssten. Ich habe die Gruppe nach ihrer Meinung dazu gefragt. Einige Frauen kicherten, unterstrichen das Gesagte mit Geschichten über das Verhalten ihrer Kinder und waren in der Lage, die Ansicht in ihr Denken einzubeziehen.

Wieder begann eine Diskussion. Wieder holte ich sanft die Aufmerksamkeit auf die Ausführungen zurück. Dieses Mal um auf die Methoden der Akzeptanz für das sich entfaltenden Leben und des Mitgefühls für uns selbst aufmerksam zu machen. Zunächst hob ich hervor, wie Jigmela Rinpoche empfehle, sich mit Gefühlen und Emotionen auseinanderzusetzen. Nämlich indem man sich zuerst den schwierigsten Gefühlen zuwende, was in Folge zu einer Auflösung aller anderen Schwierigkeiten der inneren Bewegung führte. Ich gestand, dass es die schwierigste der Übungen sei, und ich empfahl, dass die Frauen versuchten, mit einem viel weniger aufwühlendem Gefühl oder Gedanken vorerst zu üben. Ich betonte, dass das Sitzen mit allem, was kommt, eine kraftvolle Erfahrung sein könne, da es helfe zu verstehen, dass sich die Erfahrung ändern würde, wenn wir nicht versuchten, Dinge wegzuschieben, schwierige innere Bewegungen zu vernachlässigen oder ablenkende Handlungen zu ergreifen. Manchmal hielten wir Dinge von uns fern, was unweigerlich dazu führte, dass wir aktiv daran festhielten. Auch in diesem letzten Punkt waren sich alle einig.

Als nächstes erklärte ich, wie man mitfühlend zu sich selbst sein könne. Ich führte aus, indem man eine Hand auf die Brust lege und zu sich selbst sage: „Ich liebe dich, (Name)!“ könne man sich selbst Liebe schenken. Diese Übung könnte schmerzhafte Momente lindern oder Spannungen auflösen. Die Frauen fühlten sich damit sehr unwohl. Ich fragte, ob sie den Satz für ihre Kinder benutzten. Alle Frauen waren sich einig, dass sie ihren Kindern ihre Liebe so zum Ausdruck brachten. Ich fragte sie, warum es ihnen unangenehm wäre, ihre Liebe für sich selbst auf diese Weise auszudrücken.

Nach einigem Gedankenaustausch und Diskussionen waren wir uns einig, dass es ungewöhnlich sei, Liebe für sich selbst auszudrücken. Es sei eine Aufgabe, die mit einem großen Einsatz verbunden sei. Um diese Übung zu erlernen, darin besser zu werden – ähnlich wie bei dem Erlernen einer Sprache, dem Gehen, dem Singen oder einem anderen Verhalten, in dem wir gut sein wollen, müssten wir es zunächst so häufig wiederholen, dass es zu einer Gewohnheit würde. 

Ich erzählte den Teilnehmern von einem Fall, in dem ich die gleiche Methode gelehrt hatte. Dadurch befreite sich die Person von Zweifeln, Marginalisierung und Ablehnung innerhalb einer Woche nach dem aufmerksamen und hingebungsvollen Üben.

Darüber hinaus habe ich hervorgehoben, dass wir uns wünschten, dass andere ihre Liebe für uns auf eine Weise ausdrückten, die wir für uns bedeutungsvoll fänden. Aber betonte, dass andere ihre Liebe nicht so ausdrücken könnten, wie wir es gerne hätten. Es wäre eine naive und kindliche Art zu projizieren. Und ich fügte hinzu, dass wir Liebe für uns selbst ausdrücken könnten, da wir am besten wüssten, was wir bräuchten.

Anschließend bat ich die Frauen, an einer kurzen Übung teilzunehmen. Ich bat sie, ihre Augen zu schließen, ihre Hände auf ihre Brust zu legen und zu sich selbst in Stille „Ich liebe dich, (Namen)!“ zu sagen. Sie sollten diesen Satz so häufig wiederholen, bis sie das Gefühl hätten, den Satz laut aussprechen zu können. Die meisten Frauen waren sich einig darüber, dass es sich unehrlich anfühlte, sich selbst Liebe zum Ausdruck zu bringen. Eine zweite Übungsphase bewies, dass es sich nach erneutem Wiederholen einfacher anfühlte. Das Üben führt zu einem Erlernen und dann zu einer Gewohnheit. Darüber hinaus erlebten einige einen zum Schweigen gebrachten Geist. Wir wiederholten die Übung, bis es den meisten Teilnehmerinnen leichter fiel, die Worte auszusprechen und eine Bedeutung beizumessen. 

Eine weitere Übung sollte das Gefühl von Wohlempfinden stärken. Dafür fragte ich die Frauen, wie es klinge, wenn ihre Kinder etwas Geschmackvolles essen. Alle waren sich einig über das summende Geräusch, das im Mund beginnt, den Hals hinunterfließt und schließlich im Magen endet. Ich fragte sie, ob sie sich an ihren Klang erinnern könnten. Ich bat sie, ihre Summen laut anklingen zu lassen und sich ihre Lieblingsgerichte vorzustellen. Während die Teilnehmerinnen an der Praxis teilnahmen, lächelten sie und bestätigten, wie das Summen Wärme in ihren Körpern und Speichel in ihrem Mund erzeugte. Darüber hinaus stimmten sie zu, dass ihre Gedankenströme für diesen Moment aufgehört hatten.

Als Nächstes bat ich die Frauen, das summende Geräusch und den Satz „Ich liebe dich, (Name)!“ miteinander zu verbinden. Ich demonstrierte mehrfach, wie die Übung klingen könnte; mit einer Stimme voller Zuversicht und Ehrlichkeit. Zuerst wurde viel gelacht, aber dann nahmen die Frauen ernsthaft an der Praxis teil. Nach einer kurzen Übungsphase dachten alle über die Erfahrung nach.

Abschließend fragte ich die Teilnehmerinnen, ob sie an einer letzten Meditation teilnehmen möchten. Dafür habe ich eine geführte Meditation zu der Vergänglichkeit der Erfahrung und die sich verändernde Natur der inneren Bewegungen angeleitet.